Bundwerkstadl:
Das Gitter aus Holz
Eine der bedeutendsten regionalen Holzbautechniken Bayerns – und das prägende Merkmal des Zitzmerstadls in Ampfing.
Was ist Bundwerk?
Bundwerk bezeichnet eine Holzkonstruktionstechnik, bei der ein Ständer-Riegel-Gerüst mit Bretterhinterschalung kombiniert wird. Charakteristisch ist das engmaschige, überkreuzende Strebenwerk, das der Fassade ein unverwechselbares Gitter- oder Rautenmuster verleiht. Diese Konstruktion ist nicht nur Ästhetik – sie ist strukturell notwendig und gleichzeitig klimatisch funktional: Die Spalten im Gitter ermöglichen Luftzirkulation, die Erntegut und Heu vor Fäulnis schützt.
Bundwerk zählt neben Blockbau und Fachwerk zu den drei verbreitetsten Holzbautechniken des süddeutschen und alpenländischen Raums. Besonders im 19. Jahrhundert, als die bäuerliche Wirtschaft ihre größte Ausdehnung erfuhr, entstand eine Vielzahl prächtiger Bundwerkstadel in Bayern, Österreich und Südtirol.
Anatomie eines Bundwerkstadls
Schematischer Aufriss mit den wesentlichen Bauteilen des Zitzmerstadls in Ampfing.
Wo der Bundwerkstadel zu Hause ist
Der Bundwerkstadel hat seine Kernregion im nordöstlichen Oberbayern, in Teilen Österreichs und Südtirols. Im Gegensatz zum Blockbau, der eher im Hochgebirge verbreitet ist, und zum Fachwerk, das im nördlichen Deutschland dominiert, ist Bundwerk ein echtes Kennzeichen der voralpinen Kulturlandschaft.
Ampfing liegt im Landkreis Mühldorf am Inn, einer Region, die für besonders formenreiche und farbige Bundwerkstadel bekannt ist. Das Isental und seine Umgebung beherbergen eine dichte Konzentration dieser Bauwerke – der Zitzmerstadl ist eines der bedeutendsten und am besten erhaltenen Exemplare.
Warum Bundwerk so besonders ist
Konstruktive Logik
Das Ständer-Riegel-System mit diagonal überkreuzenden Streben ist hocheffizient: Es verteilt Lasten gleichmäßig, braucht weniger Holz als ein Vollwandgefüge und ist trotzdem stabil genug für große Erntemengen und schweres Gerät.
Klimatische Funktion
Die Öffnungen im Gitterwerk ermöglichen konstante Durchlüftung – ideal für die Lagerung von Getreide, Heu und Stroh. Feuchtigkeit kann entweichen, ohne dass Regen eindringt. Eine natürliche Klimaanlage des 19. Jahrhunderts.
Regionale Identität
Im nordöstlichen Oberbayern entwickelte sich ein eigenständiger, besonders formenreicher Typ des Bundwerkbaus. Das Gittermuster ist hier dichter, die Ausführung handwerklich feiner – ein sichtbares Zeichen lokalen Stolzes und bäuerlicher Handwerkskunst.